Nordsachsen. Die Region Delitzsch hat dafür gesogt, dass die Zahl der Arbeitsplätze im Landkreis gestiegen ist. Treiber ist die Logistikbranche. Das geht aus den Statistiken der Agentur für Arbeit hervor. Die zählte zum 30. Juni 2016 – dem Stichtag, zu dem dieser Tage die Auswertungen vorgelegt wurden – 71 244 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze innerhalb der Landkreisgrenzen. 766 mehr als ein Jahr zuvor. Der Anteil der Einpendler aus einem anderen Landkreis liegt in Nordsachsen bei rund 39 Prozent. Allein aus der Stadt Leipzig pendeln rund 11 000 Arbeitnehmer hierher, Tendenz weiter steigend. In der Gegenrichtung pendeln übrigens fast 18 000 Nordsachsen in die Messestadt zur Arbeit. Auch hier zeigt der Trend deutlich nach oben.

Wo wird gearbeitet?
17 Prozent der nordsächsischen Arbeitsplätze entfallen laut Agentur auf das verarbeitende Gewerbe. Allerdings ist die Beschäftigtenentwicklung in dieser Branche zuletzt leicht zurückgegangen. Die größte Wachstumsbranche im Landkreis ist aktuell der Bereich Verkehr/Logistik. 14,7 Prozent der Arbeitsplätze kommen aus diesem Bereich. Mit plus rund 850 Arbeitsplätzen 2015 und weiteren rund 800 Arbeitsplätzen 2016 verzeichnete diese Branche die jeweils größten Zuwächse.
Nach dem Plus im Jahre 2015 verzeichnete der Handel zuletzt kein Wachstum mehr. Insgesamt hat die Branche einen Arbeitsplatzanteil von 13,1 Prozent. Der Bau dagegen zeigte eine deutlich rückläufige Entwicklung um 313 Arbeitsplätze wie auch die Zeitarbeit mit minus 231 Arbeitsplätzen.
Weiter auf Wachstumskurs befindet sich das Sozialwesen, zu dem auch Heime gehören (plus 188 Arbeitsplätze beziehungsweise 3,4 Prozent) mit einem Arbeitsplatzanteil von 8 Prozent.


Mehr Nordsachsen in Arbeit
Nimmt man die Nordsachsen unabhängig vom Ort ihrer Beschäftigung, so ist auch diese Zahl in den letzten drei Jahren leicht gestiegen. Insgesamt 79 389 Nordsachsen waren zur Jahresmitte 2016 in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung – ein Plus von 0,7 Prozent. 36 000 Nordsachsen pendeln zum Arbeitsplatz. Der Zuwachs bei Beschäftigten fiel erneut geringer aus als bei den Arbeitsplätzen. Daran werde deutlich, dass die vornehmlich in Randlage des Landkreises zunehmenden Arbeitsplätze Arbeitnehmer aus den angrenzenden Regionen anziehen beziehungsweise die ansässigen Betriebe auf diesen Zulauf bauen, erläutert die Agentur für Arbeit.


Wie alt sind die Beschäftigten?
Die Personengruppe der 25- bis 49-Jährigen stellt insgesamt einen Anteil von 54,3 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Nordsachsen. Während die Zahl der Beschäftigten bei den unter 25-Jährigen immer weiter zurückgeht, nimmt die Beschäftigtenzahl bei den älteren Arbeitnehmern ab 50 Jahren deutlich zu. Allein von Juni 2015 zu Juni 2016 betrug die Zunahme 824 ältere Arbeitnehmer – 2,7 Prozent. In dieser Zeit stieg der Beschäftigtenanteil der Älteren ab 50 Jahren an allen Arbeitnehmern von 38,3 auf 39 Prozent.


Die Verflechtungen
Nordsachsen weist insgesamt betrachtet eine starke Pendlerverflechtung auf, die besonders von der Verbindung nach beziehungsweise von der Stadt Leipzig geprägt ist. Zudem ist ein deutliches Ost- West-Gefälle innerhalb des Landkreises zu verzeichnen. Infrastrukturell bedingt ist die Pendlerbewegung zwischen Delitzsch und Leipzig stärker ausgeprägt als in den übrigen nordsächsischen Regionen.
Insgesamt ist die Zahl der Auspendler höher als die der Einpendler – also mehr Menschen gehen einer Beschäftigung außerhalb der Landkreisgrenzen nach als Menschen zur Arbeit nach Nordsachsen kommen. Für eine Region, die bis auf den westlichen Teil insgesamt wenig Großunternehmen habe beziehungsweise einen geringeren Anteil von Industriearbeitsplätzen, sei das ein normales Bild, so Cordula Hartrampf-Hirschberg, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Oschatz. „Es ist aber auch ein deutliches Zeichen, dass der Arbeitsmarkt keine Grenzen kennt. Betriebe legen weniger Wert darauf, aus welcher Region ihre Arbeitnehmer kommen, sondern vielmehr darauf, was sie können.“ Aktionen wie die jährliche Bewerber- und Stellenbörse JOBregional in Schkeuditz trügen diesem Trend Rechnung. Die Messe finde dort statt, wo momentan die Arbeitskräftenachfrage am größten sei und die Zahl der Arbeitsplätze am meisten zunehme“, so die Agentur-Chefin. Sebastian Stöber